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Audiodeskription - Hörfilm und blinde Fernsehzuschauer

Hintergründe und Ziele

Die Ziele der Audiodeskription lassen sich recht einfach erklären. Bitte setzen Sie sich vor einen Fernseher und schalten einen Spielfilm ein. Nun schließen Sie die Augen und versuchen, dem Film zu folgen. Ist es Ihnen gelungen, den Verlauf und die Handlung des Filmes einigermaßen zu erfassen? Ich denke wohl eher, dass es nicht ganz einfach ist, denn im Rahmen vieler Abhandlungen findet kein Dialog der Schauspieler statt, die eingespielten Geräusche halten sich in Grenzen und letztlich ergibt sich oft ein bedeutender Zusammenhang aus rein visuellen Aspekten.

Da Blinde auch Fernsehfilme genießen möchten, haben diese im Verlauf der letzten Jahrzehnte Philosophien entwickelt, dem Wortdialog so viel wie möglich Informationen abzugewinnen, um die stummen Szenen auszugleichen. Das geht natürlich um so besser, je intensiver in einem Film ein Wortdialog existiert. Doch leider ist das nicht immer der Fall, zumal der Trend von stummen Szenen oft begleitet durch eingespielte Musik sowie häufig wechselnder Schauplätze stark zugenommen hat.

Die wortarmen Teile eines Filmes und Szenenwechsel lassen sich dadurch ausgleichen, indem diese für Blinde kommentiert werden. Diese Aufgabe erfüllen manchmal sehende Angehörige, jedoch kann man nicht immer darauf zurückgreifen, denn oft ist der Personenkreis des persönlichen Umfeldes anderweitig beschäftigt, und letztlich sind alleinstehende Menschen ebenfalls zu berücksichtigen. Deshalb entstand die Idee, die erklärenden Informationen seitens des Senders während des Filmes parallel zur Handlung anzubieten, so dass diese im Lautsprecher des Fernsehers zu hören sind. Man nennt das Verfahren "Audiodeskription".

Zusätzliche Information der Untertitelwerkstatt Münster
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Bevor ich speziell auf den Empfang von Fernsehsendungen weiter eingehe, soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass zwischenzeitlich Audiodeskription bei Filmen auf DVD und im Theater anzutreffen ist. Die Bezugsquellen von entsprechenden DVD-Filmen entnehmen Sie bitte dem weiteren Informationsmaterial am Ende dieses Abschnittes.

Voraussetzungen

Einige Fernsehsender sind in der Lage, die Audiospur im Rahmen paralleler Tonkanäle zu übertragen. Damit der Blinde zu Hause in seinem Sessel die Audiodeskription nutzen kann, sind hierfür 2 Voraussetzungen erforderlich.

Der Fernseher bzw. die für den Digitalempfang notwendige Settopbox muß über die Möglichkeit verfügen, die Sendungen im sogenannten 2-Kanalton zu empfangen. Besagter 2-Kanalton wird auch für Filme eingesetzt, die wahlweise sowohl im Originalton als auch im Rahmen einer Übersetzung des Dialoges durch Synchronsprecher zu hören sind.

Die zweite und wesentlich wichtigere Voraussetzung ist, dass seitens der Sendeanstalten oder Filmproduzenten die erklärende Aufsprache vorgenommen wird. Das ist mit Arbeit und Kosten verbunden, denn die erklärenden Texte müssen nicht nur aufgesprochen, sondern auch mühsam vorbereitet werden.

Der DBSV als Interessenvertreter der Blinden und Sehbehinderten fördert diese Aktivitäten auch finanziell. Darüber hinaus haben sich schon einige Sponsoren gefunden. Dennoch wurden bislang nur wenige Filme mit erklärenden Texten versehen. Zur Zeit senden folgende Anstalten Filme mit Audiodeskription:

Programmvorschau

In den Programmzeitschriften sind die entsprechenden Filme mit einem durchgestrichenen Auge gekennzeichnet. Ferner sind im Videotext auf Tafel 397 der ARD und auf Tafel 775 im ZDF alle mit Audiodeskription aufbereiteten Filme aufgeführt, deren Ausstrahlung in der nächsten Zeit geplant ist. Weiterhin können die aktuellen Hörfilminformationen und die jeweiligen Sendetermine mittels Tonwahl über die Rufnummer 030⁄21997711 sowie über die Text-Version der HÖRZU abgerufen werden.

Übertragungs- und Empfangstechnologien

Sehr unproblematisch ist der Empfang der entsprechenden Hörfilme mittels Digitalempfang. Es gibt 3 Verfahren:

Der analoge Empfang verliert zunehmend an Bedeutung. Die Abschaltung analoger terestrischer Sender dürfte zwischenzeitlich abgeschlossen sein. Eine analoge Übertragung via Satellit steht kurz vor dem aus. Das Angebot mittels Breitbandkabel könnte noch einige Jahre weiter existieren, jedoch stehen hier wenige Sender zur Verfügung, die Audiodeskription ausstrahlen. Deshalb ist es empfehlenswert, den Kabelempfang auf ein digitales Verfahren umzustellen.

Schwierigkeiten bei der Bedienung von Fernsehgeräten

Ein weiteres Problem besteht in der Bedienung moderner Fernseher. Diese verfügen nämlich nicht mehr über normale Bedienungselemente wie Knöpfe oder Schieber. Statt dessen werden Funktionen wie z.B. die Wiedergabe von getrennten Tonträgern über eine rein visuelle Menüoberfläche ein- bzw. ausgeschaltet. Dies bedeutet, dass unter Umständen ein Blinder nicht in der Lage ist, selbständig die notwendigen Schaltfunktionen zur Wiedergabe dieser Filme vorzunehmen.
Die Elektronikindustrie geht hierbei nicht auf die Belange von Blinden ein.

Empfang von Fernsehsendungen mittels eines Computers

Für Computerbenutzer gibt es eine Chance, die Voraussetzungen eines bedienbaren Fernsehgerätes zu schaffen. Allerdings muß sich auf dem entsprechenden Rechner ein installierter Screenreader befinden, und der Benutzer sollte in der Lage sein, diesen auch gut bedienen zu können.

Darüber hinaus sind für den Computer einige Erweiterungen der Hard- und Software erforderlich. Einmal muß eine TV-Empfangskarte in einen hoffentlich noch freien Steckplatz eingebaut werden. Sehr gute Erfahrungen habe ich hierbei mit der SKYSTAR II von TECHNISAT gemacht. Alternativ besteht die Chance, den Satellitenempfänger über USB anzuschließen. Die Box TT-CONNECT S2 3600 von TECHNOTREND ist sehr gut geeignet.

Natürlich müssen vor Inbetriebnahme der Empfangskarte bzw. -box notwendige Treiber installiert werden. Diese findet man auf der mitgelieferten CD oder im Internet.

Schließlich wird noch Empfangssoftware benötigt, die für den endgültigen Fernsehempfang sorgt. Hierbei bietet sich das Programm DVBVIEWER an, das bei Sehgeschädigten stark verbreitet ist. Die Software sorgt nicht nur für die Funktionalität des Fernsehempfanges sowie komfortabler Möglichkeiten zur Aufnahme. Mit Hilfe dieses Programmes kann man auch Filme auf DVD-Scheiben abspielen. Bezugsmöglichkeiten und eine umfangreiche Dokumentation entnehmen Sie bitte der entsprechenden Homepage, auf die ich am Ende dieses Abschnittes verweise.

Spezieller Videorecorder für Blinde und Sehbehinderte

Diejenigen, die den Umgang mit einem Computer recht beschwerlich empfinden oder sogar ausschließen, haben dennoch eine Möglichkeit, selbständig Filme zu empfangen und auch aufzunehmen. Hierfür sorgt ein speziell für Blinde entwickelter Videorecorder, der unter dem Namen AMMEC vertrieben wird. Das Gerät verfügt über eine eingebaute Sprachausgabe, welche die Bedienungsoberfläche und alle weiteren Informationen vorliest, die für die Benutzung dieses Recorders notwendig sind. Das Konzept stellt somit eine Unabhängigkeit für Blinde und Sehbehinderte dar. Jedoch muß man beim Kauf tief in die Tasche greifen, denn der Preis beträgt erheblich mehr als 1000 Euro.

Weiterführendes Material

1999 Copyright by Matthias Hänel, Norderstedt
Letzte Änderung 10.9.2013