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Mit Blindenschrift und Computer ins Internet

Beispiele barrierefreier und unzugänglicher Internetseiten

Homebanking

Im Prinzip könnte das Homebanking für Blinde und Sehbehinderte eine ideale Einrichtung sein. Beschwerliche Wege zur Bank oder Sparkasse, Kontoauszüge lesen und das Ausfüllen von Überweisungsaufträgen sind Aktionen, für die oft vertrauenswürdige Hilfspersonen benötigt werden. Ein gut einsetzbares Homebanking löst besagtes Problem schlagartig.

Aus diesem Grund haben Blinde in den 90er Jahren sehr gern das Homebanking über Datex-J, BTX oder T-ONLINE eingesetzt. Der Bildschirmaufbau, den die damals genutzten Programme namens BTX-Decoder produzierten, war rein zeichenorientiert, und es gab keine Grafiken und Bilder. Da sich die meisten Geldinstitute dem von der Deutschen Telekom angebotenen Dienst anschlossen, konnten viele auch bei der ursprünglichen Hausbank verbleiben. Doch leider distanzierten sich ettliche Banken von diesem Verfahren und führten eigene Applikationen ein, die ausschließlich über das Internet erreichbar sind. Die Euro-Umstellung gab den ehemaligen Anwendungen den endgültigen Gnadenschuß, was zur Abschaltung der alten Applikationen führte.

Wer heute Homebanking praktizieren möchte, muß sich somit mit dem Internet arangieren. Es gibt 2 Verfahren, den heimischen Computer mit der Hausbank zu verbinden. Viele Institute nutzen das sogenannte Internet-Banking. Hierbei verwendet man den üblichen Browser wie Internet Explorer oder FIREFOX. Die Seiten sind meist auch für Blinde gut bedienbar aufgebaut. Zur Übertragung der Daten wird auf ein sicheres Protokoll namens SHTTP zurückgegriffen. Damit keine unbefugten Überweisungsaufträge erfolgen können, stehen dem Endbenutzer seitens der Bank ausgehändigte Transaktionsnummern zur Verfügung.

Andere Geldinstitute verwenden den sogenannten HBCI-Standard, hinter dem sich die Bezeichnung "Homebanking Computer Interface" verbirgt. Dieses Verfahren soll äußerst sicher und komfortabel sein. Hier gibt es keine Transaktionscodes mehr. Die Legitimation z.B. für rechtmäßige Überweisungen steckt in einer Chipkarte, die von einem entsprechenden Leser verarbeitet wird. Dieser muß natürlich an den heimischen Computer angeschlossen werden.

Der Zugang zu HBCI-Anwendungen wird meist über speziell zu Installierende Software realisiert. Besagte Software heißt z.B. STARMONEY oder QUICKEN. Allerdings reagieren Entwickler und Vertreiber von Screenreadern sehr empfindlich auf diese Namen, denn sowohl STARMONEY als auch QUICKEN sind extrem mausorientiert und verfügen über Fensterklassen, die für spezielle Hilfsmittelsoftware tödlich sind. Erheblich besser geeignet ist die Software SFIRM32, die ursprünglich für den kommerziellen Bereich vorgesehen ist. Dennoch bieten einige Banken und Sparkassen ihren Kunden die Chance, das Programm auch im Privatbereich zu nutzen.

Sofern jedoch Geldinstitute darauf bestehen, HBCI ausschließlich mittels STARMONEY oder QUICKEN zu bedienen, sind blinde Bankkunden darauf angewiesen, das gewöhnliche Pin- und Tan-Verfahren zu nutzen. Dieses ist für Sehgeschädigte praktikabel, sofern eine sehende Person zum Vorlesen der Tan-Liste zur Verfügung steht oder ein Scanner einschließlich OCR-Software vorhanden ist.

Leider gibt es bei einigen Banken im Rahmen des Pin- und Tan-Verfahrens erneute Hürden, obwohl die erwähnte TAN-Liste in lesbarer Form zur Verfügung steht. Die meisten Banken verwenden nämlich das sogenannte ITAN-Verfahren, indem man während eines Überweisungsvorganges gebeten wird, entsprechend der fortlaufenden Numerierung eine bestimmte Transaktionsnummer der TAN-Liste zu entnehmen. Im Prinzip wäre das für den blinden Bankkunden kein Problem. Jedoch blenden einige Banken, wie z.B. die Commerzbank, diese Index-Nummern in Form von Bildern mit verschleierten Zeichen ein. Das bedeutet, der Blinde steht erneut vor einem Problem, den Bankauftrag selbständig abzuwickeln, denn Bilder, die Zeichen enthalten, werden von den Hilfsmittelsystemen nicht in jedem Fall. übersetzt.

Sehr hilfreich ist dagegen das Verfahren, eine besagte Transaktionsnummer im Rahmen einer Überweisung via SMS auf das Handy zu übertragen. Leider bieten noch nicht alle Banken diese Möglichkeit an. Darüber hinaus müssen die sehgeschädigten Bankkunden ein zugängliches Handy einsetzen.

Zwischenzeitlich haben einige Computernutzer ein sehr interessantes Homebanking-Programm namens SUBSEMBLY gefunden. Diese Software ist gegenüber WEB-Applikationen eine interessante Alternative. Es kann in der Regel mit Screenreadern problemlos genutzt werden. Zusätzlich bietet die Firma PROTAK für Nutzer von JAWS angepaßte kostenpflichtige Skriptdateien an. SUBSEMBLY ist keine Freeware. Die dauerhafte Nutzung kostet knapp 20 Euro. Der Einsatz von HBCI ist für besagtes Programm keine Voraussetzung.

Es existiert somit ein Wirrwar von Möglichkeiten und Barrieren, welches mit den einzelnen Bankinstituten verbunden ist. Man ist somit gezwungen, sich individuell eine Bank auszusuchen, die mindestens ein Verfahren anbietet, mit dem keine Hürden verbunden sind. Zusammenfassend handelt es sich hierbei um folgende Alternativen:

Die NETBANK bietet das barrierefreie Homebanking an. Man sollte prüfen, ob deren Angebot gegenüber der gewohnten Sparkasse vor Ort besser geeignet ist.

Eine Leserin fragte mich, ob Blinde und Sehbehinderte auch PAYPAL in Verbindung mit der jeweiligen Hausbank nutzen können. Ich habe es ausprobiert und bei PAYPAL ein Konto erstellt. Dieses Institut liefert zumindest heute gegenüber Sehgeschädigten keine Barrieren. Somit ist ein gut bedienbares Homebanking in Kombination mit PAYPAL eine gute Möglichkeit, Bezahlungen bei Einkäufen im Netz recht unkompliziert abzuwickeln.

Um diese Informationen zum Schluß dieses Beitrages abzurunden, verweise ich auf einen BLOG zum Relaunch des ONLINE-Bankings der Sparda-Bank von Marco Zehe.

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Letzte Änderung 10.10.2013