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Mit Blindenschrift und Computer ins Internet

Die Sprachausgabe

Die Sprachausgabe ist gegenüber der Braillezeile eine preiswerte Alternative. Zahlt man unter Umständen für die Anschaffung einer Braillezeile mehr als 10.000 €, beträgt der Anschaffungswert einer Sprachausgabeeinheit ca. 1000 €.

Die Wirtschaftlichkeit besteht aber nicht nur beim Einkaufspreis. Da die Funktion rein auf elektronischer Basis beruht, ist die Fehleranfälligkeit nicht so hoch wie bei Braillezeilen. Diese haben nämlich noch mechanische Aufgaben, denn die Blindenschrift muß durch Setzen von Punkten abgebildet werden. Das verursacht nicht nur mechanische Abnutzung, sondern eine regelmäßige Reinigung der Schriftzeile ist erforderlich.

Die Erzeugung der synthetischen Sprache zur Bildschirmerfassung erfolgt abhängig vom Hersteller nach 2 unterschiedlichen Verfahren. Zum einen gibt es ein kleines Kästchen, welches an die serielle Schnittstelle des Rechners angeschlossen wird. In der externen Einheit erfolgt die Erzeugung der Sprache unabhängig vom benutzten Computer. Dieser muß nur das Ausgabemedium mit den auszulesenden Informationen versorgen. Das andere Prinzip beruht auf eine im Rechner eingebaute Soundkarte bzw. im abgespeckten Fall auf den PC-Lautsprecher. Hier hat der Rechner die zusätzliche Aufgabe, die Sprache zu erzeugen. Das geht natürlich nur mit Rechnern, die über entsprechende Hardware verfügen. Ein 386er mit 33 MHZ wäre hier förmlich überfordert.

Neben der Generierung der Sprache wird ein Zusatzprogramm benötigt, welches den Bildschirm ausliest. Im einfachsten Fall muß der Bildschirm seriell von oben nach unten ausgelesen werden. Diese Aufgabenstellung reicht aber meistens nicht aus, denn es sind aufwendige Zusatzfunktionen erforderlich, um mit der zu benutzenden Anwendungssoftware umzugehen. Oft sind dann nur Teile des Bildschirmes interessant, und durch geschickten Umgang mit der Auslesesoftware kann eine recht optimale Arbeitsweise erreicht werden. Dies erfolgt dadurch, indem der Benutzer dem Ausleseprogramm mitteilt, welche Teile des Bildschirmes vorzulesen sind - nächste Zeile, die oberste oder unterste Zeile oder die gelb bzw. rot unterlegten Zeichen.

Die Eingabe dieser Steuerbefehle erfolgt abhängig vom Hersteller über unterschiedliche Wege. Bei einigen Systemen gibt man diese Steuerinformationen über die normale PC-Tastatur ein. Dabei ist es wahrscheinlich nicht ausgeschlossen, dass zeitweise Konflikte mit der benutzten Anwendungssoftware entstehen. Wer dem ausweichen will, wählt teurere Lösungen, wo diese Befehle über spezielle Steuerungseinheiten vorzugeben sind. Das sind kleine Kästchen mit Tasten oder Schiebern, die dann links oder rechts neben die PC-Tastatur gestellt werden.

Begonnen habe ich den Abschnitt mit den Vorteilen dieses Ausgabemediums. Leider ist aber nichts perfekt. Da ich z.B. selbst programmiere oder eigene WEB-Seiten entwickele, kommt es dabei nicht selten auf die Existenz jedes einzelnen Zeichens insbesondere jeglicher Art von Sonderzeichen an. Der kleinste Fehler führt zu syntaktischen Problemen, die den Erfolg vom Mißerfolg trennen. Da steht man nach meinem Empfinden auf besseren Wegen, wenn man liest. Vor dem Upload dieses Textes fühle ich mich erheblich sicherer, nachdem ich ihn noch einmal detailliert mittels der Braillezeile durchlesen kann, um vergessene oder falsch getippte Buchstaben oder Satzzeichen lesend und nicht hörend zu korrigieren.

Sie haben die Möglichkeit, sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, wie sich ein mittels Sprachausgabe vorgelesener Text anhört. Das Beispiel bezieht sich auf die sogenannte "Eloquenz", die der Screenreader JAWS nutzt.

Moderne Sprachausgabesysteme verfügen über eine Wörterbuchfunktion. Hierüber kann man für bestimmte Worte, Begriffe, Namen und Zeichenfolgen eine spezielle Aussprache veranlassen, was die Verständlichkeit erhöht, und gleichzeitig die Gefahr von Ablenkung und Mißverständnissen reduziert. Anhand der Begriffe "Melanie", "Ole von Beust" und einem Smilyzeichen habe ich eine kleine akustische Demonstration vorbereitet, die Sie sich zur Verdeutlichung dieses Abschnittes einmal anhören sollten.

Die für jedermann verwendbaren Sprechenden Internetseiten werden in einem separaten Abschnitt erläutert.

1999 © Copyright by Matthias Hänel, Norderstedt
Letzte Änderung 19.9.2006