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Mit Blindenschrift und Computer ins Internet

Der Screenreader

Bevor eine Braillezeile, Sprachausgabe oder eine Großschriftdarstellung in der Lage ist, die erforderlichen Daten auszugeben, müssen diese Ausgabeeinheiten mit den hierfür notwendigen Informationen versorgt werden. Die Software, welche diese Aufgabe erfüllt, nennt man Screenreader. Hierbei werden von den entsprechenden Hardware-Elementen die darzustellenden Daten bezogen. Damit die Bereitstellung der Informationen möglichst dem aktuellen Stand des Bildschirminhaltes entspricht, erfolgt die parallele Übernahme in extrem kurzen Zeitabständen (mehrmals pro Sekunde).

Die sicherlich recht komplizierten technischen Ausführungen möchte ich mit Hilfe eines praktischen Beispieles erläutern, um das Verständnis zu erleichtern. Stellen Sie sich vor, ein Rechner verfügt über keine Zusatzeinrichtung, welche den Zugang für die Arbeit eines Sehgeschädigten an einem Computer ermöglicht. Statt dessen bietet ein Sehender dem Blinden seine Hilfestellung an. Wie muß nun diese Hilfestellung aussehen? Natürlich liest der Sehende ständig den Inhalt des Bildschirmes vor, damit der Blinde überhaupt einen Eindruck davon erhält, was auf dem Rechner geschieht. Zwischen dem Blinden und dem Sehenden entsteht ein Dialog, aus dem hervorgeht, welcher Teil des Bildschirmes oder welches Fenster mit seinem Inhalt vorzulesen ist. Der Blinde kann zwar notwendige Informationen über die PC-Tastatur eingeben, ist jedoch immer darauf angewiesen, vorgelesen zu bekommen, was sich auf dem Bildschirm befindet.

Da es natürlich an entsprechenden Vorlesekräften mangelt, die immer einsatzbereit sein müssen, wenn ein Blinder am Rechner arbeiten will oder muß, wurde Software namens Screenreader entwickelt, die genau diese Aufgabe einer vorlesenden Person erfüllt.

Während der ursprünglichen Entwicklungsphase von Braillezeilen und Sprachausgaben wurden diese Aktivitäten über die Hardware mittels Steckkarten abgewickelt. Aufgrund einer Modernisierung von Grafikkarten sahen sich die Entwickler gezwungen, die Beschaffung der Bildschirmdaten über Software-Systeme zu erledigen. Somit ist man zwar flexibler, jedoch kann dadurch der Sehgeschädigte seinen Computer nur nutzen, wenn das gesamte System einschließlich Screenreader zur Verfügung steht. Konfigurationen im Setup während des Boot-Vorganges sind gegenüber früher eingesetzten Hardware-Lösungen nicht mehr möglich.

Screenreader teilen sich mit der eigentlichen Anwendungssoftware die Rechnerleistung. Da hierdurch die Resourcen zusätzlich belastet sind, ist der Einsatz der Hilfsmittelsoftware bei der Planung für die Hardware zu berücksichtigen.

Leider sind Screenreader nicht in der Lage, die Intelligenz der Menschen, die mit ihren Augen einen Bildschirm beobachten, zu ersetzen. Für die Mehrheit der Computeranwender ist der Zusammenhang mehrerer Bildschirmelemente einer Anwendung auf Anhieb einleuchtend. Dagegen muß der Programmierer eines Screenreaders auf alle Ereignisse des Bildschirmes individuell eingehen. Je komplizierter sich das Layout einer Anwendung darstellt, desto höher sind die Ansprüche, die an eine Hilfsmittelsoftware gestellt werden. Hierbei können Upgrades oder Release-Wechsel jegliche Entwicklungsarbeit zu nichte machen, denn was dem Menschen nur oberflächlich auffällt, sind in einer Bit-Landschaft absolut neue Strukturen, mit denen die beschriebene Hilfsmittelsoftware ohne Überarbeitung nichts mehr anfangen kann.

Moderne Screenreader verfügen über Wörterbücher, die für eine saubere und verständliche Aussprache sorgen. Jede Sprache setzt natürlich die Existenz eines entsprechenden Wörterbuches voraus. Die Auswahl der jeweiligen Sprache muß der Anwender aufgrund des vorzulesenden Textes selbst vornehmen. Dies erfolgt in der Regel über das Menue des Screenreaders.

Die Anwender haben meist die Möglichkeit, aufgrund ihrer Individualitäten in diesen Ausspracheverzeichnissen Ergänzungen oder Korrekturen vorzunehmen. So kann man Zeichenfolgen, die z.B. dem Smily einer E-Mail entsprechen, mit der jeweiligen Bezeichnung verknüpfen. Ähnliche Verfahren gelten für Abkürzungen.

Satzzeichen werden normalerweise mit vorgelesen. Auf diese Weise hat der Anwender die Chance, Sätze bzw. Satzelemente zu trennen, um eine detaillierte Bedeutung des vorzulesenden Textes besser zu analysieren.

Weitere Informationen finden Sie in folgenden Abschnitten:

1999 Copyright by Matthias Hänel, Norderstedt
Letzte Änderung 14.11.2014